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Stationen der Rundfahrt

Die Ost-West-Achse

Der Straßenzug zwischen Brandenburger Tor und Theodor-Heuss-Platz verläuft schnurgerade in Ost-West-Richtung. Er ist in dieser Form das Ergebnis von Hitlers Plänen, Berlin zur Welthauptstadt "Germania" umzubauen. Diese Pläne sahen ein gigantisches Achsenkreuz zweier breiter Straßen vor, an denen große repräsentative Gebäude errichtet werden sollten. Während die Nord-Süd-Achse völlig neu durch die Stadt geschlagen werden sollte, folgt die Ost-West-Achse einem alten Straßenzug. Sie diente als Paradestraße, ihre Breite ist dadurch definiert, dass sechs Panzer nebeneinander fahren können. Diesem Zweck war das Charlottenburger Tor im Wege, dass der mit diesen Planungen beauftragte Albert Speer an den Rand der Straße versetzen ließ. Andere Gebäude, die ebenfalls diesen Planungen im Wege standen, wurden ganz abgerissen. Um die Mieter, die dabei ihre Wohnungen verloren, unterzubringen, regte Speer im September 1938 an, die Wohnungen von jüdischen Berlinern zu beschlagnahmen. Dies ist nur ein Beleg dafür, inwieweit damals die Entrechtung und Ausgrenzung von Juden ein ganz selbstverständlicher Teil des Denkens und Handelns in Behörden und Institutionen war.

Das Mahnmal Levetzowstraße

LevetzowstraßeDie 1914 errichtete Synagoge in der Levetzowstraße gehörte mit 2100 Sitzplätzen zu den größten Berlins. Als die NS-Machthaber begannen, die jüdische Bevölkerung zu deportieren, ließ die Gestapo diese Synagoge in ein Sammellager verwandeln. Zwischen 1941 und 1943 schickte sie von hier aus Tausende jüdischer BerlinerInnen in die Todeslager.

Das im Krieg stark beschädigte Gebäude wurde 1956 abgetragen. Seit 1988 befindet sich an dieser Stelle ein aus drei Teilen bestehendes Denkmal. 34 in den Boden eingelassene Tafeln zeigen Bilder der in Berlin ehemals existierenden Synagogen. Eine in die Höhe ragende gusseiserne Schrifttafel benennt Daten und Ziele der einzelnen Transporte. Der dritte Teil des Mahnmals zeigt ein Menschenbündel das auf einer Rampe gewaltsam in einen bereit stehenden Güterwaggon gezerrt wird.

Die Siegessäule

SiegessäuleDieses Denkmal wurde 1873 eingeweiht. Es sollte daran erinnern, dass die Gründung des Deutschen Reiches auf drei siegreichen Kriegen beruhte. Die Form erinnert an ein Kanonenrohr, geschmückt ist sie mit 60 vergoldeten, erbeuteten Kanonen. Ursprünglich stand die Säule auf dem Platz vor dem Reichstag. Im Rahmen der Umbauarbeiten für die Ost-West-Achse versetzten die Nationalsozialisten sie an die Ost-West-Achse auf den Großen Stern und erhöhten sie um eine Trommel.

Es ging ihnen darum, die Bevölkerung auf den kommenden Krieg einzustimmen. Nach den schrecklichen Erfahrungen des 1. Weltkriegs gab es in der Bevölkerung nur wenig Begeisterung für einen neuen Krieg. Das zu verändern, überzogen die Nationalsozialisten das Land mit militärischen Inszenierungen. Die größte davon fand am 20. April 1939, Hitlers 50. Geburtstag statt. Zu diesem Anlass veranstalteten die Nationalsozialisten die größte Militärparade, die die Welt bis dahin gesehen hatte. Sie setzten alle Medien ein, um dieses Ereignis in ganz Deutschland und in aller Welt bekannt zu machen. Auch dem Ausland sollte die wiedergewonnene militärische Stärke Deutschlands vor Augen geführt werden. Kaum fünf Monate später, am 1. September 1939 lösten die Nationalsozialisten mit dem Überfall auf Polen den 2. Weltkrieg aus.

Das Reichtagsgebäude

ReichtagsgebäudeDieses Gebäude, das heute Sitz des Deutsches Bundestages ist, wurde 1894 als Sitz für das damalige Parlament eingeweiht. Zentrum einer parlamentarischen Demokratie wurde es aber erst 1919. Ab 1930 zogen in wachsender Zahl Abgeordnete der NSDAP in das Parlament ein, die diese Demokratie wieder zerstören wollten. Die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30 Januar 1933 gab ihnen die Möglichkeit dazu.

Einen wichtigen Schritt dazu markiert die Brandstiftung im Reichstagsgebäude am Abend des 27. Februar 1933. Mit der Begründung, dass die Sicherheit des Staates gefährdet sei, gingen die Nationalsozialisten daran, wesentliche demokratische Rechte abzuschaffen.
Weil die Hitler-Regierung unabhängig von der Kontrolle durch das Parlament handeln wollte, brachte sie am 23. März 1933 im Reichstag das Ermächtigungsgesetz ein. Nur die SPD-Fraktion weigerte sich zuzustimmen. Die Abgeordneten der KPD durften an der Abstimmung nicht mehr teilnehmen. Mit Hilfe der Reichstagsbrand-Verordnung und des Ermächtigungsgesetzes hatten die Nationalsozialisten die Demokratie in Deutschland abgeschafft. An jene Abgeordneten des Reichstages, die durch NS-Verfolgung umkamen, erinnert seit 1992 ein Denkmal vor dem Reichstag das aus 96 gusseisernen Platten besteht, in die die Namen der Opfer eingraviert sind.

Das Sowjetische Ehrenmal

Das Sowjetische Ehrenmal wurde kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges errichtet, Es erinnert an die im Kampf um Berlin gefallenen sowjetischen Soldaten sowie die Opfer, die der Krieg die Sowjetunion gekostet hat, nach neueren Schätzungen zwischen 27 und 34 Millionen.

Diese riesige Zahl von Opfern resultiert vor allem daraus, dass das NS-Regime den Krieg gegen die Sowjetunion als Vernichtungskrieg führte. Die Nationalsozialisten hatten das Feindbild des "jüdischen Bolschewismus", den sie als ihren Hauptgegner betrachteten. Zudem standen die Völker der Sowjetunion in der nationalsozialistischen Rassenideologie weit unten. Ihr Land sollte nicht nur erobert sondern kolonisiert, deren Einwohner vertrieben, ermordet oder versklavt werden. Diese Pläne hatten zur Folge, dass Kriegführung und Besatzungsregime von deutscher Seite von großer Brutalität und Rücksichtslosigkeit geprägt waren.

Die T4-Gedenktafel

T4-GedenktafelIn einer heute nicht mehr existierenden Villa in der Tiergartenstraße 4 befand sich die Zentrale der von der NS-Führung "Euthanasie" genannten Aktion zur Vernichtung von in den Augen der Nationalsozialisten "lebensunwertem Leben".

Insgesamt wurden fast 200.000 Menschen ermordet, zumeist InsassInnen von Heil- und Pflegeanstalten mit körperlichen oder geistigen Gebrechen. Die Ermordung erfolgte in als Duschen getarnten Gaskammern durch Kohlenmonoxid. Vor allem die Proteste seitens der katholischen Kirche bewirkten, dass die Nationalsozialisten die Aktion im August 1941 offiziell einstellten, insgeheim aber fortsetzten.

Auf das Personal der T4-Aktion wartete 1942 bereits eine neue Aufgabe, die Ermordung der Juden im besetzten Polen. Insgesamt 92 Männer unter der Leitung des Kriminalkommissars Christian Wirth, bildeten den Stamm des Personals der sogenannten "Aktion Reinhard". In deren Rahmen entstanden die Vernichtungslager Belzec, Sobibor und Treblinka, in denen über 2 Millionen Juden ermordet wurden. Seit 1988 befindet sich am Ort der ehemaligen Villa eine Skulptur des Bildhauers Richard Serra. 1989 wurde sie durch eine in den Boden eingelassene Kupferplatte ergänzt, deren Text das Euthanasieverbrechen beschreibt.

Die Topographie des Terrors

Von diesem riesigen Areal gingen Terror und Mord in millionenfachem Umfang aus. Hier befanden sich die Zentralen der SS, des Sicherheitsdienstes und der Geheimen Staatspolizei.

Die Gestapo stand für jedermann sichtbar direkt mit dem Terror des NS-Staates in Verbindung. Allein in ihrer Berliner Zentrale wurden Tausende von Menschen verhört, eingesperrt und systematisch gefoltert.

Am 27. September 1939 fasste SS-Führer Heinrich Himmler, der seit 1936 auch oberster Polizeichef war, Kriminalpolizei, Gestapo und SD unter dem Namen Reichssicherheitshauptamt (RSHA) zu einer Behörde zusammen. Das RSHA entwickelte im Jahr 1941 die Pläne zur "Endlösung der Judenfrage". Aus den Angehörigen des RSHA rekrutierten sich auch die berüchtigten Einsatzgruppen deren Terror im besetzten Osteuropa über 1,5 Millionen Menschen zum Opfer fielen.

Seit 1987 befindet sich die Ausstellung Topographie des Terrors auf dem Gelände. 1995 fiel die Entscheidung, auf dem Gelände ein Dokumentations- und Begegnungszentrum zu errichten. Finanzielle und bautechnische Probleme haben dazu geführt, dass sich dessen Fertigstellung immer wieder verzögerte.

Die Wilhelmstraße

WilhelmstraßeDie Wilhelmstraße galt aufgrund der Konzentration politischer Macht als Synonym für die preußische beziehungsweise deutsche Politik. Hier befanden sich alle wichtigen Ministerien, sowie der Amtssitz von Reichskanzler und Reichspräsident. Die Nationalsozialisten schufen zwei neue Ministerien, deren Gebäude sie ebenfalls in der Wilhelmstraße errichteten, das Reichsluftfahrtministerium und das Reichspropagandaministerium. Als Minister für Volksaufklärung und Propaganda überwachte und steuerte Joseph Goebbels von hier die Medien.

Am Gebäude des ehemaligen Reichsluftfahrtministerium, welches 1935/36 für Hermann Göring gebaut wurde, (heute Sitz des Bundesfinanzministeriums) lässt sich die Monumentalität der NS-Architektur noch gut erkennen. Es ist mit ca. 2000 Büroräumen ausgestattet und soll durch seine schiere Größe beeindrucken. Das galt auch für 1938 gebaute die Neue Reichskanzlei. Diese NS-Bauten sollten die Größe und Mächtigkeit des "Tausendjährigen Reiches" demonstrieren. Dennoch war geplant, sie im Zuge der Germania Pläne durch noch mächtigere Bauten zu ersetzen.

Der Gendarmenmarkt

Der Gendarmenmarkt bildet das Sinnbild für die Gleichberechtigung, die der preußische Staat den hugenottischen Einwanderern gewährte, die Ende des 17. Jahrhunderts als Glaubensflüchtlinge nach Berlin kamen. Der erste preußische König, Friedrich I., überließ der französischen Gemeinde einen Teil des Platzes für den Bau einer Kirche, der 1705 erfolgte. Parallel dazu erfolgte 1708 der Bau der deutschen Kirche.

Friedrich II. beschloss, das Gebiet der Friedrichstadt repräsentativer zu gestalten. Als krönenden Abschluss der Umbaumaßnahmen und als Ausdruck der vollständigen Gleichberechtigung beider Bevölkerungsgruppen erhielten sowohl die deutsche als auch die französische Kirche, 1785 ihre großen Kuppeltürme. Dies führte dazu, dass sie fortan als Dome bezeichnet wurden.

Die Geschichte Berlins als Einwandererstadt passte den Nationalsozialisten nicht ins Konzept ihrer Rassenideologie. Aus diesem Grunde veränderten sie die Botschaft des Platzes. Statt der Zuwanderung stellten sie den Ruhm Preußens in den Mittelpunkt. Dort inszenierten sie alljährlich am 20. April die Aufnahme der Zehnjährigen ins Jungvolk als öffentliches Gelöbnis.

Der Bebelplatz

Der Bebelplatz wurde ursprünglich von Friedrich II. geschaffen. Er ließ rund um den Platz einige prächtige Gebäude errichten. Hierzu gehörten die Oper, ein Palais für seinen Bruder Heinrich, das heutige Hauptgebäude der Humboldt-Universität, die St.Hedwig-Kathedrale sowie die Königliche Bibliothek, die heutige juristische Fakultät. Dahinter stand die Idee, Berlin zu einer Stadt der Kultur zu machen. Ausgerechnet diesen Platz suchten sich die Nationalsozialisten aus, um Kultur in großem Umfang zu zerstören.
Am 10. Mai 1933 veranstalteten sie hier die Bücherverbrennung. Mehr als 20.000 Bücher Hunderter Autoren aus aller Welt und ganzer Wissenschaftsbereiche fielen den Flammen zum Opfer, weil die Nationalsozialisten sie als "undeutsch" definierten.

An die Bücherverbrennung erinnert seit 1995 ein von dem israelischen Künstler Micha Ullmann gestaltetes Mahnmal in der Mitte des Platzes. Unterirdisch in den Platz eingelassen, zeigt es leere Bücherregale.

Der Lustgarten

LustgartenDer Lustgarten diente zunächst als Schlosspark. Er hat eine lange Tradition als Versammlungsort. Das begann bereits im Revolutionsjahr 1848 und setzte sich in der Weimarer Republik fort. Am 7. Februar 1933 fand im Lustgarten die letzte Großdemonstration statt. 200.000 Menschen folgten dem Aufruf sozialdemokratischer Organisationen, gegen die Machtübergabe an die Nationalsozialisten zu protestieren. Drei Wochen später erließ die NS-Regierung mit der Reichstagsbrandverordnung ein Demonstrationsverbot.

Von nun an beherrschten die Nationalsozialisten den Platz für die nächsten zwölf Jahre. Am 1. April 1933 rief Propagandaminister Goebbels von dort zum Boykott der jüdischen Geschäfte auf. Später gestalteten die Nationalsozialisten den Platz komplett um. Sie machten ihn zum gepflasterten Aufmarschplatz.

Weitere NS-Inszenierungen folgten, Mai-Feiern nach Nazi-Art mit Wehrmacht und SS, die feierliche Aufnahme der Zehnjährigen in die Hitlerjugend, die Präsentation von erbeuteten Waffen und schließlich die Propagandaausstellung "Das Sowjetparadies" im Mai 1942. An die Mitglieder der jüdisch-kommunistischen Widerstandsgruppe um Herbert Baum, die auf diese Ausstellung einen Brandanschlag verübten, erinnert ein Gedenkstein, den die DDR dort aufstellen ließ.

Die Neue Synagoge Oranienburger Straße

Synagoge Oranienburger StraßeDie am 5. September 1866 eingeweihte Neue Synagoge war mit 3000 Plätzen das größte und prächtigste jüdische Gebetshaus in Deutschland. Sie entstand in der Zeit als der preußische Staat den Angehörigen der jüdischen Religionsgemeinschaft nach Jahrhunderten der Benachteiligung endlich die Gleichheit vor dem Gesetz gewährt hatte. Entsprechend drückte die prächtige Synagoge mit der goldenen Kuppel die Hoffnung und den Anspruch des Judentums aus, nicht mehr diskriminiert zu werden.

In der Pogromnacht 1938 bewahrte Wilhelm Krützfeld, Vorsteher des Polizeireviers am Hackeschen Markt, die Synagoge vor der Zerstörung durch die Nazihorden. Indem er sich dem Befehl widersetzte, nicht einzugreifen, gab er ein bemerkenswertes Beispiel für Zivilcourage. Im November 1943 fiel das Gebäude einem Bombenangriff zum Opfer. 1988 entschloss sich die DDR, die zunächst die Ruine als Mahnmal stehen lassen wollte, das Gebäude wiederaufzubauen. Seit seiner Fertigstellung im Jahr 1995 wird es als Centrum Judaicum, für Ausstellungen, Lesungen etc. genutzt.

Die Reichsjugendführung (HJ-Zentrale)

In der Lothringer Straße 1, der heutigen Torstraße, residierten zwischen 1939 und 1945 in einem Gebäude, das vorher ein jüdisches Kaufhaus war, diverse Ämter der Reichsjugendführung. Darunter befand sich der Streifendienst der HJ (SRD), eine Art von jugendlicher Hilfspolizei.

Die Reichsjugendführung war aus der Hitlerjugend (HJ), der Jugendorganisation der NSDAP hervorgegangen und bildete die oberste Instanz für die Jugendpolitik.

Aufgabe der HJ war es, die Jugendlichen für den Nationalsozialismus zu begeistern und sie auf den Krieg vorzubereiten. Damit einher ging, dass Jugendliche in die verbrecherische Politik des Regimes einbezogen wurden. Das gilt sowohl für die HJ allgemein, insbesondere jedoch für den 1935 geschaffenen SRD.

Die 15 – 18jährigen Jugendlichen des SRD bespitzelten und bekämpften jene Jugendlichen, die sich außerhalb der HJ zusammenfanden, weil sie einen anderen Lebensstil bevorzugten. Mitglieder der HJ und des SRD beteiligten sich an den Pogromen des 9. November 1938. Weil die HJ und die SS eine Vereinbarung geschlossen hatten, nach der der SRD die Nachwuchsorganisation der SS bilden sollte, rekrutierte die SS Tausende Angehörige der HJ und des SRD, u.a. für die SS-Division "Hitler-Jugend".

Am Ende mussten alle Hitlerjungen in den Krieg ziehen. Im Rahmen des Volkssturmes schickte die HJ-Führung selbst 14jährige in den Kampf und damit oftmals in den Tod.