Religions- und Weltanschauungsunterricht: Ein Drittel besucht Lebenskunde
Knapp ein Drittel aller den Religions- oder Weltanschauungsunterricht besuchenden Schülerinnen und Schüler in Berlins Schulen nehmen am Humanistischen Lebenskundeunterricht teil. Dies geht aus den Zahlen der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft hervor. Darin bestätigt die Senatsverwaltung die verbandseigene Zählung und meldet für das Schuljahr 2011/2012 insgesamt 51.871 Schüler/-innen für das Fach Humanistische Lebenskunde. Der Humanistische Lebenskundeunterricht verzeichnet mit 2.058 zusätzlichen Schülerinnen und Schülern im Vergleich zum Vorjahr (2010: 49.813) den höchsten Zuwachs im Bereich des Religions- und Weltanschauungsunterrichts. Zum ersten Mal in der 27-jährigen Geschichte des Schulfachs besuchen damit in diesem Schuljahr mehr als 50.000 Schüler/-innen den Lebenskundeunterricht des Humanistischen Verbandes. Während die Schülerzahlen im Religionsunterricht stagnieren bzw. rückläufig sind, steigen die Zahlen der am Lebenskundeunterricht teilnehmenden Schüler/-innen seit Jahren stetig.
Insgesamt hat in diesem Schuljahr die Zahl der am Religions- oder Weltanschauungsunterricht teilnehmenden Schüler/-innen leicht abgenommen (2011: 51,26 %; 2010: 51,42 %). Weiterhin besucht etwa jede/-r zweite Schüler/-in den Religionsunterricht oder den Humanistischen Lebenskundeunterricht. Einen Rückgang der Schülerzahlen mussten vor allem die Kirchen verzeichnen. So besuchten im vergangenen Schuljahr noch 80.393 Schüler/-innen den evangelischen Religionsunterricht; in diesem Jahr sind es nur noch 78.800 (-1.593 Schüler/-innen). Am katholischen Religionsunterricht nahmen im vergangenen Schuljahr 25.021 Schüler/-innen teil; in diesem Jahr lediglich 24.709 (-312 Schüler/-innen). Etwas mehr Schüler/-innen besuchen in diesem Jahr den Religionsunterricht der islamischen Föderation (2011: 4.879, 2010: 4.833) und den jüdischen Religionsunterricht (2011: 932, 2010: 896).
Zugleich geht aus den Zahlen hervor, dass der Religionsunterricht der Kirchen zu einem nicht unwesentlichen Teil an Privatschulen stattfindet. Knapp 12 % der am evangelischen Religionsunterricht teilnehmenden Schüler/-innen besuchen Privatschulen. Beim katholischen Religionsunterricht beträgt der Anteil der Privatschüler/-innen sogar fast ein Drittel (31 %) aller teilnehmenden Schüler/-innen. Die Schüler/-innen, die am „Sonstigen Religions- und Weltanschauungsunterricht", darunter fällt auch der Freie Christliche Religionsunterricht, teilnehmen, kommen fast ausschließlich aus Privatschulen (97 %). Die evangelische Kirche unterhält in Berlin 14 eigene Schulen, die katholische Kirche hat 16 Schulen. Die Schüler/-innen an diesen Schulen besuchen automatisch den jeweiligen Religionsunterricht.
Ganz anders verhält es sich mit dem Humanistischen Lebenskundeunterricht. Nur 1,3 % aller teilnehmenden Schüler/-innen besuchen eine Privatschule. Entsprechend steigt seine Bedeutung an den öffentlichen Schulen im Vergleich zu den Varianten des Religionsunterrichts.
Etwa 53 Prozent der Lebenskundeschüler gehen im Osten, 47 Prozent im Berliner Westen zur Schule. Die oft zitierte Mauer in den Köpfen spielt bei der Humanistischen Lebenskunde keine Rolle. Der Religionsunterricht wird weiterhin deutlich stärker in den westlichen Stadtteilen angenommen. In den östlichen Stadtteilen liegen die Schülerzahlen des Religionsunterrichts meist deutlich hinter denen des Lebenskundeunterrichts zurück.
Die steigenden Schülerzahlen, die Herkunft der Schüler/-innen vorwiegend von öffentlichen Schulen sowie die paritätische Annahme des Humanistischen Lebenskundeunterrichts in Ost und West ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Humanistische Lebenskunde in der Mitte der Berliner Gesellschaft fest verankert und aus dieser nicht mehr wegzudenken ist.
