Mehr freie Tage für religiöse Schüler?
Der HVD Berlin kritisiert die Separierung der Berliner Schülerschaft entlang religiöser Orientierungen
Der Humanistische Verband Deutschlands in Berlin drückt sein Bedauern über die von der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung betriebene Separierung der Berliner Schülerschaft entlang religiöser Orientierungen aus.
Zahlreiche evangelische Schülerinnen und Schüler bleiben heute dem Unterricht fern, nachdem die Senatsverwaltung Anfang November die Ausführungsvorschriften (AV) zur Schulpflicht geändert hatte. Seither können evangelische Schüler/-innen am Reformationstag (ab 2011) und am heutigen Buß- und Bettag dem Unterricht fernbleiben.
Die AV Schulpflicht sieht damit inzwischen insgesamt 18 unterrichtsfreie Tage für gläubige Schüler im Schulkalender vor, wovon 3 auf katholische, 2 auf evangelische, 2 auf muslimische und 11 auf jüdische Schüler entfallen. An diesen Tagen können Schüler mit diesem Glauben unentschuldigt der Schule fernbleiben.
Der HVD Berlin ist verwundert ob der Entscheidung der Senatsverwaltung, dem Schulkalender weitere religiöse Feiertage hinzuzufügen und damit die Trennung der Schülerschaft entlang religiöser Linien zu forcieren. Anstatt Schule als gemeinsamen Lebensraum aller Schülerinnen und Schüler zu gestalten, erlangen religiösen Orientierungen so eine immer größere Bedeutung für das erfahrbare Zusammenleben in der Schule. Dies ist ein klarer Eingriff in die Neutralität der Schule, in der religiöse Orientierungen auf diese Art immer stärker in den Vordergrund treten und den Schulalltag beeinflussen. Ein regulärer Unterricht ist mit der wechselnden Abwesenheit von Schülern deutlich schwerer zu gestalten.
Der Humanistische Verband Berlin gibt den Vertretern der einzelnen Konfessionen darüber hinaus zu bedenken, dass eine Befreiung Ihrer Schüler nicht im Sinne eines toleranten und offenen Schulalltags ist. Für einen solchen sind Begegnung und Austausch entscheidend, nicht aber Abwesenheit und religiöse Abgrenzung.
