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Junge HumanistInnen entsetzt über Bundeswehr-Kampagne

25. September 2012

Die Jungen Humanisten (JuHu), der Jugendverband des Humanistischen Verbands Deutschlands e.V., kritisieren den vom Jugendmagazin Bravo unterstützten Versuch der Bundeswehr, über Ferienreisen Jugendliche für Militarismus und Waffengewalt zu begeistern, in höchstem Maße. Es ist unzumutbar, dass die Bundeswehr jetzt schon 12-jährige indoktriniert, denn gerade diese Altersgruppe ist leicht zu beeinflussen. Das Video zu den erstmals stattfindenden Bundeswehr-Adventure-Camps vermittelt den Eindruck, Abenteuer könne man nur mit Militarismus und Leistungsdruck erleben! Der Spaß-Faktor ist unserer Ansicht nach jedoch kein wesentlich prägendes Merkmal der Bundeswehr. Insofern vermittelt dieser Versuch der „Personalgewinnung“ Jugendlichen ein falsches Bild der Bundeswehr und dem Leben im Militär.

Der Vorsitzende der Jungen HumanistInnen in Berlin, Jan Gabriel, kommentierte die Aktion von Bravo und Bundeswehr entsprechend deutlich:

Ich stelle mit Entsetzen fest, dass eine der ältesten und größten Jugendzeitschriften sich daran beteiligt, durch die Bundeswehr-Adventure-Camps zu suggerieren, dass der Militärdienst ein großes Abenteuer sei, und somit Jugendlichen falsche Vorstellungen über den Dienst bei der Bundeswehr vermittelt. Abenteuer muss niemals einen militärischen Hintergrund haben. Im Gegenteil: Erst durch friedliches Miteinander und Kooperation werden viele Abenteuer erst möglich. Ein gutes Beispiel dafür liefern die Erlebniscamps, wie sie Jugendverbände und -organisationen wie die Jungen HumanistInnen ausrichten.

Anfang vergangener Woche publizierte die Bundeswehr auf der Internet-Seite der Jugendzeitschrift Bravo sowie auf seiner Jugendseite treff.bundeswehr.de ein Video, welches sog. „Bundeswehr-Adventure-Camps“ bewarb. Geworben wird darin für zwei verschiedene Camps, eins bei der Luftwaffe in Sardinien, das andere bei den Berchtesgadener Gebirgsjägern. Formulierungen wie „krasse Wasserwettkämpfe, crazy Strandspiele und coole Beachparties“ werden verwendet. Eines der wohl stärksten Überzeugungsmittel des Videos ist die kostenlose Teilnahme.

Mit dem Film will die Bundeswehr auf ihr Ausbildungsangebot und sich als potentiellen Arbeitgeber aufmerksam machen. Sie präsentiert sich darin gegenüber Kindern und Jugendlichen jedoch in einem vollkommen verdrehten Bild! Das Motto des Videos lautet „Action, Adrenalin, Abenteuer – die Herausforderung deines Lebens wartet auf dich!“, im Hintergrund läuft die Musik von David Guetta, man sieht traumhafte Strände und Bergidylle. Das auf Vergnügen und Abenteuer zugeschnittene Video enthält keinerlei Informationen über das Berufsrisiko von Soldaten. Über die psychischen Belastungen des Einsatzes im Ausland wird ebenfalls kein Wort verloren.

Das Video kann man inzwischen nicht einsehen. Am 20. September 2012 wurde es auf Youtube wegen des Vorwurfs der Urheberrechtsverletzung gesperrt und anschließend von der Homepage der Bravo entfernt. Weder Bravo noch Bundeswehr haben sich bislang zu der kritischen Aktion geäußert.