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HVD Berlin-Brandenburg verurteilt Pläne zur Vorführung des islamfeindlichen Mohammed-Films durch rechtsextreme Partei "Pro Deutschland"

16. September 2012

Der Humanistische Verband Berlin-Brandenburg verurteilt die beabsichtigte Aufführung des islamfeindlichen Mohammed-Filmes "Innocence of Muslims" durch die rechtsextreme Partei "Pro Deutschland". Dazu erklärt Verbandspräsident Norbert Kunz:

Natürlich steht es in einem demokratischen Land allen Menschen und Gruppierungen frei, im Rahmen der Gesetze auch absoluten Unsinn oder Provokantes öffentlich zu verbreiten. Während allerdings religionskritische Karikaturen aufklärenden Charakter haben und zugespitzt auf Menschenrechtsverletzungen hinweisen können, soll mit diesem Film ausschließlich zur Islamfeindlichkeit angestachelt werden. Das ist mit unseren Grundwerten von Toleranz gegenüber allen Welt- und Lebensauffassungen nicht vereinbar.

Im Namen der "Kunst- und Meinungsfreiheit" will die selbst ernannte Bürgerbewegung den Film "Innocence of Muslims", der weltweit zu gewalttätigen Protesten geführt hat, in Berlin in voller Länge zeigen. Damit legt "Pro Deutschland" eine Zündschnur an das überwiegend friedliche Zusammenleben der Kulturen in Deutschland. Wenn selbst die für den Film engagierten Künstler von der Vortäuschung falscher Angaben sprechen und erklären, dass sie weder das Ergebnis der Dreharbeiten gutheißen, noch die islamfeindliche Intention des Filmes unterstützen, und wenn nach Abschluss der Dreharbeiten offenbar auch die gesprochenen Dialoge von menschenverachtenden und islamfeindlichen Texten ersetzt wurden, stellt man sich die Frage, welche Freiheit der Kunst die rechtsextreme Bewegung mit ihrer unsinnigen Aktion verteidigen will. "Pro Deutschland" geht es augenscheinlich nicht um die Verteidigung von Grundrechten, sondern einzig um Provokation.

Zum friedlichen Zusammenleben in Deutschland gehört als Grundrecht zweifelsohne auch die Kritik an religiösen und weltanschaulichen Positionen, erst recht, wenn diese fundamentalistischen Charakters sind. Dass es "Pro Deutschland" keineswegs um die grundsätzliche Kritik von religiösem Fundamentalismus geht, macht allein die Tatsache deutlich, dass sie den fundamentalistischen Pfarrer Terry Jones als möglichen Gast zur Vorführung des Films in Berlin ankündigt. Jones ist in der Vergangenheit immer wieder mit islamfeindlichen Schriften und Äußerungen aufgefallen. Im vergangenen Jahr wollte der erklärte Islam- und Homosexuellenhasser eine öffentliche Koranverbrennung durchführen, die er später absagte.

Wer sinnvoll zu einer friedlichen Gesellschaft und zur Wahrung von Grund- und Menschenrechten beitragen will, der muss Dialog und Austausch suchen. Denn nichts anderes trägt besser zum gegenseitigen Verständnis und zur gesellschaftlichen Toleranz bei.