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Humanistischer Governance-Kodex

Präambel

Der Humanistische Corporate Governance Kodex (HGK) beschreibt wesentliche Grundlagen zur Leitung und Überwachung der Einrichtungen und Dienste des Humanistischen Verbandes Deutschlands, Landesverband Berlin-Brandenburg e.V. (HVD) und enthält Standards und Empfehlungen guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung. Er lehnt sich an den Deutschen Corporate Governance Kodex an.

Der HGK versteht sich als verbindliches Regelungswerk für das Zusammensein der im HVD tätigen Organe und leistet einen Beitrag

  • zur Transparenz der verbandlichen Arbeit und damit zur Stärkung des Vertrauens von öffentlichen Geldgebern, Spendern, politischen Entscheidungsträgern, Kunden, Ehrenamtlichen und Mitarbeiter/-innen
  • zur Optimierung der Kommunikations- und Verwaltungsstruktur und zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit der Einrichtungen und Dienste.

Die gemeinsame Klammer sind die humanistischen Werte, Grundsätze und Ziele, wie sie im Leitbild des HVD verankert sind. Sie zu entwickeln, einzuhalten, immer wieder zu überprüfen, ist die Aufgabe aller, die im HVD Verantwortung tragen.

Der HGK soll dazu beitragen, dass das humanistische Profil, die Fachlichkeit und die Wirtschaftlichkeit des HVD gefördert werden. Präsidium und Vorstand haben dafür Sorge zutragen, dass die Beachtung der betriebswirtschaftlichen Grundsätze bei der Leitung der Einrichtungen und Dienste eine hohe Priorität hat.

Der HGK wird regelmäßig überprüft und bei Bedarf weiterentwickelt.

1. Mitgliederversammlung

Die Mitgliederversammlung nimmt die in der Satzung des HVD vorgegebenen Aufgaben wahr; insbesondere beschließt sie über alle grundsätzlichen und richtungweisenden Maßnahmen, die nicht dem Präsidium zugewiesen sind. Sie übt die Aufsicht über das ehrenamtliche Präsidium aus.

2. Aufgaben, Zuständigkeiten sowie Zusammenwirken von Vorstand und Geschäftsführung.

2.1. Präsidium und Vorstand wirken zum Wohle des HVD eng zusammen. Sie sind dem Verbandsinteresse verpflichtet.

2.2. Das Präsidium ist verantwortlich für die strategische Ausrichtung des HVD. Er erarbeitet hierbei eng mit dem Vorstand und anderen Gremien des HVD (Kuratorium, Beirat) zusammen.

2.3. Die Zusammensetzung, Aufgaben- und Verantwortungsbereiche, Kompetenzen, Informations- und Berichtspflichten des Präsidiums und des Vorstandes sind, soweit nicht satzungsgemäß festgelegt, in Geschäftsordnungen geregelt.

2.4. Organe und Gremien beachten die Regeln ordnungsgemäßer Unternehmens- bzw. Vereinsführung sowie die Delegation und Kontrolle und üben ihr Amt mit der gebotenen Sorgfalt aus.

2.5. Gute Vereinsführung setzt einen offenen und konstruktiven Austausch der Leitungsgremien miteinander voraus. Eine umfassende Wahrung der Vertraulichkeit und die Sicherstellung der Verschwiegenheit sind dafür von entscheidender Bedeutung. Das anerkennende, respektvolle Miteinander von ehren- und hauptamtlich Tätigen in den Gremien ist ebenso selbstverständlich im HVD wie bürgerschaftliches Engagement. Die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen der Geschlechter sind zu berücksichtigen.

2.6. Präsidium und Vorstand können sich durch fachliche Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen laufend für die Aufgaben und Verantwortlichkeiten im Sinne dieses Kodexes weiter qualifizieren.

2.7. Für eine ausreichende Versicherung der Mitglieder der Gremien ist Sorge zu tragen.

3. Präsidium

3.1. Das Präsidium übt seine Tätigkeit nach Maßgabe der Satzung des Verbandes, der Geschäftsordnung des Präsidiums sowie in bestimmten, von der Mitgliederversammlung dem Präsidium zugewiesenen Aufgaben aus. Es berät den Vorstand bei der Leitung der laufenden Geschäfte des Verbandes und überwacht dessen Geschäftsführung.

3.2. Das Präsidium besteht aus der/dem Präsidentin/Präsidenten, zwei stellvertretenden Präsidentinnen/Präsidenten und bis zu zehn weiteren Mitgliedern. Mindestens fünf Mitglieder des Präsidiums sollen Frauen und zwei Vertreter der Jungen HumanistInnen sein.

3.3. Jedes Mitglied des Präsidiums muss die zur Wahrnehmung seiner Aufgaben erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen verfügen und hinreichend unabhängig sein.

3.4. Das Präsidium ist ehrenamtlich tätig und erhält für seine Arbeit keine Vergütung. Als Ersatz ihrer Auslagen erhalten die Präsidiumsmitglieder eine angemessene Aufwandsentschädigung, über deren Höhe der Landesausschuss befindet.

3.5. Personen, die in einem Arbeitsrechtlichen Verhältnis zum HVD stehen, dürfen nicht Mitglied des Präsidiums sein.

3.6. Präsidiumsmitglieder dürfen in Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit weder für sich noch für andere Personen von Dritten Zuwendungen oder sonstige Vorteile fordern, versprechen lassen oder annehmen oder Dritten ungerechtfertigte Vorteile gewähren.

3.7. Jedes Präsidiumsmitglied hat Interessenkonflikte, insbesondere solche, die auf Grund einer Beratung oder Organfunktion bei Kunden, Lieferanten oder sonstigen Geschäftspartnern entstehen können, dem Präsidium gegenüber offen zu legen.

4. Vorstand

4.1. Der Vorstand führt die laufenden Geschäfte des HVD mit seinen Einrichtungen, Projekten und Diensten im  Rahmen der Satzung, der Geschäftsordnungen und der Beschlüsse der übrigen Organe. Er hat dafür zu sorgen, dass die weltanschaulichen, politischen und unternehmerischen Ziele umgesetzt werden.

4.2. Der Vorstand besteht aus der/dem Vorsitzenden und der/dem stellvertretenden Vorsitzenden. Sie bilden den Vorstand im Sinne des § 26 BGB. Die Vorstandsmitglieder sind einzeln zur Außenvertretung berechtigt.

4.3. Die Vorstandsmitglieder sind hauptamtlich tätig. Für ihre Tätigkeit im HVD erhalten sie eine Vergütung, die dem Aufgaben- und Verantwortungsprofil, der Größe des Unternehmens, dem unternehmerischen Risiko und der Haftung angemessen ist.

4.4. Entgeltlichen Nebentätigkeiten des Vorstandes muss das Präsidium zustimmen.

4.5. Die Mitglieder des Vorstandes dürfen bei ihren Entscheidungen weder persönliche Interessen verfolgen noch Geschäftschancen, die dem HVD zustehen, für sich nutzen. Sie unterliegen während ihrer Zugehörigkeit zum Vorstand einem umfassenden Wettbewerbsverbot.

4.6. Die Mitglieder des Vorstands sind verpflichtet, Interessenkonflikte unverzüglich gegenüber dem Präsidium offenzulegen und das andere Vorstandsmitglied hierüber zu informieren.

5. Transparenz, Steuerung und Berichtswesen

5.1. Transparenz in der Zusammenarbeit der Organe und des verbandlichen Managements ist zu gewährleisten.

5.2. Durch ein aussagekräftiges Buchhaltungssystem, ein transparentes Finanzmanagement, funktionierende Steuerungs- und Prüfungsmechanismen und ein insgesamt nachhaltiges wirtschaftliches und unternehmerisches Geschäftsverhalten hat der HVD seinem Umsatz- und Investitionsvolumina entsprechend Rechnung zu tragen.

5.3. Steuerung und Kontrolle dienen dem HVD dazu, sich zur Wahrung seiner Grundsätze und der Erreichung seiner ideellen, materiellen und finanziellen Ziele zu vergewissern. Im HVD besteht daher ein Berichts- und Dokumentationswesen, das alle relevanten Informationen und Kommunikationswege sowie Berichtspflichten festlegt, so dass Präsidium und Vorstand in die Lage versetzt werden, ihren Aufsichts- und Führungs- und Entscheidungsfunktonen umfassend und angemessen ausüben zu können.

5.4. Präsidium und Vorstand sorgen für ein angemessenes Risikomanagement und Risikocontrolling im Unternehmen.

5.5. Die gesetzlichen und behördlichen Vorgaben und Regelungen zur Gemeinnützigkeit und zum Spendenwesen sowie die Bestimmungen der Zuwendungsgeber und Kostenträger zum Einsatz und Nachweis der Verwendung der zur Verfügung stehenden Mittel werden eingehalten.

5.6. Mit Beschwerden von Kunden, Mitgliedern und Mitarbeiter/-innen geht der HVD offen und konstruktiv um. Ein Beschwerdemanagement-System ist im HVD implementiert .

5.7. Für ein adäquates Qualitätsmanagement in den Gremien, Einrichtungen, Projekten und Diensten des HVD sorgen Präsidium und Vorstand.

6. Rechnungslegung und Prüfungen

6.1. Der HVD erstellt zeitnah einen Jahresabschluss nach den anerkannten Rechnungslegungsgrundsätzen.

6.2. Das Präsidium beschließt über die Beauftragung eines unabhängigen Wirtschaftsprüfers und über den Prüfungsumfang, Schwerpunkte oder Sonderprüfungsgegenstände.

6.3. Der Vorstand erstellt jährlich einen Lagebericht. Dieser kann, ebenso wie die Ordnungsmäßigkeit der Wirtschafts- und Geschäftsführung, Gegenstand der Prüfung durch einen unabhängigen Abschlussprüfer sein.

6.4. Es werden Quartalsabschlüsse erstellt.

7. Effizienzprüfung

Präsidium und Vorstand überprüfen regelmäßig die Effizienz ihrer Tätigkeit.

8. Selbstverpflichtung

Der HVD stellt die nachstehend ausgeführten Informationen der Öffentlichkeit auf seiner Website zur Verfügung.

1. Name, Sitz, Adresse und Gründungsjahr
2. Vollständige Satzung sowie weitere wesentliche Dokumente, die Auskunft darüber geben, welche konkreten Ziele wir verfolgen und wie diese erreicht werden (z.B. Humanistisches Selbstverständnis, Leitbild, Werte)
3. Datum des jüngsten Bescheides vom Finanzamt über die Anerkennung als steuerbegünstigte (gemeinnützige) Körperschaft.
4. Name und Funktion der wesentlichen Entscheidungsträger (z.B. Präsidium und Vorstand)
5. Bericht über die Tätigkeiten unserer Organisation: zeitnah, verständlich und so umfassend, wie mit vertretbarem Aufwand herstellbar (z.B. Kopie des Berichts, der gegenüber der Mitgliederversammlung abzugeben ist)
6. Personalstruktur: Anzahl der hauptberuflichen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, Zivildienstleistende, Freiwilligendienste; Angaben zu ehrenamtlicher Arbeit.
7. Mittelherkunft: Angaben über sämtliche Einnahmen, dargelegt als Teil der jährlich erstellten Einnahmen-/Ausgaben- oder Gewinn- und Verlustrechnung, aufgeschlüsselt nach Mitteln aus dem ideellen Bereich (z.B. Spenden, Mitglieds- und Förderbeiträge), öffentlichen Zuwendungen, Einkünften aus wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb, Zweckbetrieb und / oder der Vermögensverwaltung.
8. Mittelverwendung: Angaben über die Verwendung sämtlicher Einnahmen, dargelegt als Teil der jährlich erstellten Einnahmen- und Ausgabe- oder Gewinn- und Verlustrechnung.
9. Gesellschaftliche Verbundenheit mit Dritten z.B. Fördervereine, ausgegliederter Wirtschaftsbetrieb, Partnerorganisation.
10. Namen von juristischen Personen, deren jährliche Zuwendung mehr als zehn Prozent unserer gesamten Jahreseinnahmen ausmachen. Angaben zu entsprechenden Spenden von natürlichen Personen können nach Zustimmung derselben veröffentlicht, in jedem Fall aber als Großspenden von Privatpersonen gekennzeichnet.

Außerdem hat er sich der Charta der Spenderrechte des Deutschen Funraising Verbandes angeschlossen.

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