HVD-Berlin unterstützt Bündnis gegen Abtreibungsgegner
Der Humanistische Verband Deutschlands in Berlin unterstützt das Bündnis, das unter dem Motto "1.000 Kreuze in die Spree" zwei Kundgebungen plant, die sich gegen den für den 18. September 2010 vom Bundesverband Lebensrecht geplanten "Schweigemarsch" für ein generelles Verbot von Abtreibungen richten.
Unter dem Titel "1.000 Kreuze für das Leben" will der BV Lebensrecht, unter dessen Dach sich christlich-fundamentalistische Gruppen wie Pro Conscientia e.V., pro mundis e.V. oder die freikirchliche Initiative für das Leben Pro Vita versammeln, gegen Abtreibungen demonstrieren. Die selbst ernannten Lebensschützer betrachten jeden Schwangerschaftsabbruch als "vorgeburtliche Kindstötung", die verboten und bestraft gehört. In ihrem Aufruf kritisieren sie "das schreiende Unrecht der Abtreibung" und sprechen polemisch vom "Aufkommen der Euthanasie".
Den betroffenen Frauen sprechen sie das Recht ab, über ihr Leben und ihren Körper selbst zu bestimmen. Darüber hinaus verbreiten sie falsche Zahlen zu den Abtreibungen in der Bundesrepublik und warnen vor einer angeblich durch Schwangerschaftsabbruch ausgelösten psychischen Störung. Sie belästigen und bedrohen Ärzte, Personen und Gruppen, die sich für ein liberaleres Abtreibungsrecht einsetzen. Abtreibungen vornehmende Frauenärzte werden von ihnen als "Massentöter" diffamiert. Mit Mitteln wie der sog. "Gehsteigberatung" werden Frauen vor Abtreibungskliniken oder Abtreibungspraxen abgefangen und eingeschüchtert.
Das Bündnis, das nun zur Gegendemonstration aufruft, will sich nicht nur diesen fundamentalistischen Praktiken entgegenstellen, sondern fordert zugleich auch die Streichung des Paragraphen § 218 aus dem Strafgesetzbuch, denn eine Abtreibung ist nach wie vor eine Straftat, die nur unter bestimmten Voraussetzungen nicht strafrechtlich verfolgt wird. Außerdem fordert das Bündnis die Entscheidungsfreiheit für oder gegen Abtreibung sowie die freie Verwirklichung des Rechts auf freie Familienplanung und Sexualität.
Weiterhin will das Bündnis auf die zunehmende Akzeptanz und Toleranz solch fundamentalistischen Gedankenguts in unserer Gesellschaft hinweisen. So wies Ende Juni das Bundesverfassungsgericht die Klage eines Frauenarztes gegen einen "Gehsteigberater" vor seiner Praxis mit der Begründung zurück, dieser spreche „mit dem Thema der Schwangerschaftsabbrüche einen Gegenstand von wesentlichem öffentlichem Interesse an". Auch Bundespräsident Christian Wulff unterstützt als Kuratoriumsmitglied des Vereins Pro Christ eine Organisation, die sich dezidiert gegen Abtreibungen ausspricht.
Die Kundgebungen finden am 18. September 2010 jeweils 12 Uhr auf dem Alexanderplatz und 14.45 Uhr auf dem Bebelplatz statt. Aktuelle Informationen finden Sie hier.
